Ich bin Dr. Špela Šalamon – klinische Diagnostikerin (Ärztin für Nuklearmedizin) und Biomedizinische Wissenschaftlerin. Mein ganzes Berufsleben dreht sich darum, Krankheiten von ihrer genetischen Blaupause bis hin zu ihren klinischen Symptomen zu verfolgen, zu verstehen und zu erkennen.
Ich bin es gewohnt, in komplexen Systemen zu denken und nach den zugrunde liegenden Mustern zu suchen. Ende 2019, als die ersten Meldungen aus China auftauchen, richtete sich dieser Instinkt sofort auf dieses neue Virus. Und was ich in den folgenden Wochen erkannte, ließ mich erstarren. Ich begriff die ungeheure Gefahr, lange bevor sie in der Öffentlichkeit ankam.
Das Jahr 2019 endete für mich mit dem Gefühl, in einer strukturierten, wenn auch nicht perfekten, wissenschaftlichen Welt zu leben. Ich kannte die etablierten Prozesse, die klugen Köpfe auf internationalen Podien, die Gremien, in denen über unsere Gesundheit entschieden wird. Auch wenn ich die Systemfehler kannte, vertraute ich im Großen und Ganzen darauf: Im Ernstfall würden die Vernunft und die Wissenschaft siegen.
Dann kam 2020 und riss diesen Glauben nieder.
Was blieb, war eine demütigende Wahrheit: Der Kaiser war nackt. Aus meiner fachlichen Perspektive war es unfassbar anzusehen, wie sich Kolleg:innen, politische Berater:innen und ganze Institutionen als beratungsresistent und inkompetent entpuppten. Sie konnten uns nicht retten – viele schienen es nicht einmal zu wollen oder können.
Diese erschütternde Erkenntnis war mein persönlicher Abschied von 2019 – ein Abschied vom Glauben an die bestehenden Autoritäten.
Meine Antwort war, mich mit Anfang 2020 vollständig zurückzuziehen und seitdem jede freie Minute der Erforschung und Kommunikation der wissenschaftlichen Fakten zu widmen. In dieser Isolation wuchs eine neue, befreiende Klarheit: Wenn von oben keine Hilfe zu erwarten war, dann musste Sicherheit von unten wachsen. In Nachbarschaftshilfen, in Basisinitiativen und im direkten, unverstellten Austausch mit jenen Wissenschaftler:innen, die noch ohne politische Scheuklappen forschen.
Kurz: Wir müssen uns im Grunde selbst und einander retten.
Wir schreiben das Jahr 2025, und ich lebe immer noch in freiwilliger Isolation – außerhalb meiner Arbeit. Denn ich arbeite weiterhin als klinische Diagnostikerin. Bis heute, soweit ich weiß, ohne eine Infektion. Das verdanke ich den Vorsichtsmaßnahmen vor luftgetragenen Viren; vor allem meiner Atemschutzmaske, die mich bei den täglichen, riskanten Patientenkontakten schützt.
Zu Hause dann die Abgeschiedenheit: Zwar vermisse ich manche Dinge und Menschen, doch ich habe grenzenlosen Frieden, Klarheit und Produktivität darin gefunden, alle weltlichen Belange hinter mir zu lassen.
Die Einsamkeit oder die Abgeschiedenheit vom Alltag ist es nicht, was die anhaltende Trauer in mir verursacht: Es ist der Verlust des Glaubens an das System, an unsere Führungskräfte und an einen Großteil der Menschheit, die in ihrem Verhalten während dieser Pandemie ihre Selbstsucht und Ignoranz offengelegt hat. Es ist schmerzhaft und enttäuschend. Und doch hat es eigentlich keinen Sinn, um etwas zu trauern, das es in Wirklichkeit nie gegeben hat.
Durch die Corona-Pandemie haben diejenigen von uns, die sich der wissenschaftlichen und medizinischen Realitäten dieser Krankheit bewusst sind, das wahre Gesicht aller Menschen gesehen – unserer Familien, Freund:innen, Kolleg:innen, Ärzt:innen und Führungskräfte. Es mag beängstigend sein, wie viele von ihnen sich als nachlässig, inkompetent und geradezu böswillig erwiesen haben. Aber die Einsicht, das Gute vom Schlechten und Hässlichen zu unterscheiden, ist von unschätzbarem Wert.
Ich möchte alle einladen, den Mut zu finden, den Tatsachen ins Auge zu blicken und ihr Leben entsprechend zu ändern. Es besteht kein Grund zur Angst oder Panik, wenn wir wissen, was uns bevorsteht und wie wir uns schützen können. Tatsächlich sind es diejenigen, die auf Verleugnung beharren, die wirklich in Angst leben.
Špela Šalamon
